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Weiterlesen...Raphael Martinetti will Veränderungen im griechisch-römischen Ringkampf
Der griechisch-römische Ringkampf steht vor grundlegenden Veränderungen, neue Regelungen sollen vor allem den Standkampf in dieser Stilart wieder attraktiver machen.
Vieles wurde bereits ausprobiert, die letzten großen Regeländerungen stammen aus dem Jahr 2005, als man den Bodenkampf mit angeordneter Fassart besonderes Gewicht verlieh. Der Obermann darf seither zum Wurf fassen. „Das ist wie ein Elfmeter im Fußball“, so die Stimmen damals bei den Weltmeisterschaften in Budapest – und wirklich flogen die Verteidiger oftmals im hohen Bogen durch die Arena. Doch das Blatt hat sich gewendet, die Verteidiger stellten sich immer besser auf die Fassarten und Angriffe der Obermänner ein. So ist es heute keine Seltenheit, wenn ein Sportler bei der Wahl, ob er angreifen-, oder verteidigen möchte, lieber die Unterlage wählt. Der Standkampf hingegen wurde nahezu gänzlich zur zusätzlichen Pause verurteilt. Tatenlos stehen die Ringer aneinandergelehnt und zählen die 90 Sekunden runter, die Entscheidung der Runde fällt zu 90 % im Bodenkampf. Bei internationalen Wettkämpfen, in denen noch ein Hauch von Aktivität steckte war die Entwicklung nicht ganz so drastisch, als in der Bundesliga. Dort haben die meisten Griechisch-Römisch-Spezialisten das Ziel des 'Gewinnen wollens' längst aus den Augen verloren – sie wollen nur nicht verlieren, verhindern jegliche Aktionen, ohne eigene Angriffe zu starten. Nicht schön anzuschauen, aber zunehmend effektiver. Dem griechisch-römischen Stil schadet dieses Kampfverhalten, dass auch für Zuschauer zunehmend unattraktiver wird. Schon allein verstärkte Passivitätsverwarnungen hätten hier wohl diesem Trend entgegen gewirkt, doch da hatte FILA-Präsident Raphael Martinetti (Schweiz) etwas dagegen.
„Ich möchte nicht, dass der Kampfrichter die entscheidenden Punkte vergibt“, so der Schweizer, der einen Sieger durch technische Aktionen ermittelt sehen möchte.
Und wirklich hätte eine Verwarnung- und zudem ein Punkt für den aktiveren Kämpfer kampfentscheidende Folgen, denn dann wäre der Verwarnte im Bodenkampf zur Verteidigung gezwungen und hätte eigentlich gar keine Möglichkeit, diesen Zähler wieder aufzuholen, zudem er bedingt durch die anhängige Verwarnung dann schon mit mindestens einen Punkt Vorsprung gewinnen müsste.
Raphael Martinetti unterstrich in einem Interview mit unserer Zeitung, dass er eine Kommission mit der Veränderung des Regelwerkes beauftragt hat, den Standkampf im griechisch-römischen Ringkampf wieder zu beleben. „Bis zu den Olympischen Spielen 2012 wird alles bleiben, wie es ist, aber dann wollen wir die Änderungen wirksam werden lassen", so Martinetti weiter. Was genau geplant ist, wollte der Präsident des Weltverbandes FILA noch nicht verraten. „Dazu habe ich ja eine Kommission aus Spezialisten zusammengesetzt, die muss dann diese Änderungen nach den Olympischen Speilen in London 2012 auch entsprechend vorstellen“, lehnt sich Martinetti. nicht mit vorschnellen Details aus dem Fenster.
FILA-Präsident Martinetti (links) und das türkische Staatsoberhaupt Erdogan tauschen bei der Eröffnung der Weltmeisterschaften in Istanbul Geschenke und Auszeichnungen aus.
Jörg Richter
Freier Journalist
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