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Bundesligatagung der Ringer in Darmstadt
DRB läutet Alarmglocken / Brandrede von DRB-Präsident Manfred Werner
Darmstadt – Eine ‚Brandrede‘ richtete der Präsident des Deutschen Ringer- Bundes, Manfred Werner am Samstag, bei der Bundesligatagung in Darmstadt an die Vereinsvertreter, nachdem es zum Saisonende eine ganze Reihe Negativschlagzeilen gab.
Gegen den Zweitbundesligisten TSV Benningen und den abstiegswilligen Erstbundesligisten SV Blauweiß Untergriesbach wurde Anzeige erstattet, beide Vereine erwarten nun Geldstrafen und Rückstufung in die jeweiligen Landesklassen. Der Rechtsausschuss des DRB sah es als erwiesen an, dass beide Mannschaften Kämpfe absichtlich verloren haben, um im Fall Benningen den Aufstieg in die 1. Bundesliga zu verhindern, im Fall Untergriesbach aus derselben absteigen zu können. Weitere Verdachtsmomente gegen Mannschaften aus den 2. Bundesligen, die den Aufstieg ebenfalls mit unlauteren Mitteln verhindert haben, werden derzeit vom DRB noch geprüft.
„Was ist eigentlich ein Sportsmann, was ist sportlich ?“, richtete Manfred Werner zum Beginn seiner Rede die wohl entscheidende Frage an die knapp 100 versammelten Vereinsvertreter im Sportzentrum der SG Darmstadt-Arheilgen. Skandalergebnisse zum Saisonende, als führende Teams gegen abstiegsgefährdete Mannschaften schon an der Waage unterlagen, den fälligen Freundschaftskampf dann klar gewannen, betitelte Werner als kriminelle Machenschaften. Dabei sah der DRB-Präsident nicht die bestehenden Strukturen als verantwortlich für die Situation an, sondern vielmehr das Finanzgebaren, einiger, weniger Vereine. Manfred Werner forderte einheitliche Anmeldeverfahren für die Athleten, ein Ende der Preistreiberei, aber auch das Ende von Anschuldigungen für die Geschehnisse, bei denen nur allzu gern dem DRB der ‚schwarze Peter‘ zugeschoben wird.
„Seit Jahren appellieren wir an die Vereine, eigene Talente zu finden und zu entwickeln, statt ausländische Spitzenringer einzukaufen“, ärgerte es den Ringerchef, dass viele Auswahlringer auf der Ersatzbank schmoren, oder zweitklassig kämpfen. Auch der Berufsstatus der Athleten liegt Manfred Werner und seinem Vorstand auf der Seele, denn hier begeben sich viele Vereine aus Sicht des DRB auf recht dünnes Eis, „ ... wenn in der 1. Bundesliga 70 % der Mannschaft, oder mehr, als Amateure angemeldet werden, die ausschließlich Aufwandsentschädigungen erhalten, so ist dies schlechtweg nicht glaubwürdig“.Dabei betonte Manfred Werner, dass der Großteil der Bundesligisten seriös arbeitet, doch die wenigen, schwarzen Schafe ziehen den gesamten Ringkampfsport in die Negativschlagzeilen.
Stefan Heinlein, 2. Vorstand des Erstbundesligisten AC Lichtenfels unterstützte die Brandrede von Manfred Werner mit einem realen Beispiel; „... wir hatten eine Prüfung bei uns, melden alle Athleten für viel Geld an und arbeiten damit sauber, andere tun dies nicht wenn sie Amateure melden, keine Abgaben und Sozialleistungen- aber dafür hohe Punktprämien zahlen“.
Die stärkste Liga der Welt wankt, neben den zurückgestuften Mannschaften TSV Benningen und SV Untergriesbach, verließen kurz vor- und während der Bundesligatagung in Darmstadt mit dem TSV Musberg (9. der 1. Bundesliga West), sowie der RWG Mömbris-Königshofen II (Staffelsieger der 2. Bundesliga Mitte) weitere Vereine die beiden höchsten Kampfklassen. Der KSK Konkordia Neuss (8. der 1. Bundesliga West) und der AC Lichtenfels (8. der 1. Bundesliga-Ost) kündigten für kommende Woche eine Entscheidung an, ob sie in der höchsten Kampfklasse verbleiben, oder ihre Teams ebenfalls aus der 1. Bundesliga zurückziehen.
„Noch können wir die Mannschaftsrückzüge mit Nachrückern kompensieren, wenn noch mehr Mannschaften dazukommen, die aus welchen Gründen auch immer nicht mehr wollen, oder können, dann müssen wir die Bundesliga-Strukturen überdenken“, so Karl Rothmer, DRB-Vizepräsident für Bundesligaangelegenheiten, der vor allem die 2. Bundesliga straffen- und auf zwei Staffeln begrenzen will, um wieder Konkurrenzdenken in die zweithöchste Kampfklasse zu bekommen.
Demzufolge unterbreitete der DRB-Vorstand den Vorschlag, ab der Saison 2012/2013 nur noch zwei Zweitligastaffeln an den Start zu bringen (bislang drei). „In der 1. Bundesliga soll mit der Streichung des Viertelfinal's der Druck vieler Teams, unbedingt die Play-offs zu erreichen, gemindert werden“, so Karl Rothmer weiter. Beschlüsse dazu gab es während der Bundesligatagung allerdings noch nicht. Nach langem ‚Für und Wider‘ gab Karl Rothmer alle gestellten Anträge an die Bundesligakommission zur weiteren Bearbeitung. Dabei intervenierte DRB-Präsident Manfred Werner; „...wir haben von 10 bis 16 Uhr getagt und keine Entscheidungen getroffen, doch Beschlüsse zu Struktur und Status der Athleten müssen schnell auf den Tisch", Bereits im Februar will der DRB-Präsident bei einer weiteren Bundesligatagung Änderungen und Reformen durchsetzen um weiteren Schaden von der stärksten Ringerliga der Welt abzuwenden.
Jörg Richter